In Belgien haben drei Kinder Sterbehilfe bekommen

Ein Kind wurde neun Jahre alt. Ein zweites starb mit elf. Und das dritte wurde 17. Sie alle waren unheilbar krank. Und sie alle entschieden sich bewusst fürs Sterben. Vor fünf Jahren hat Belgien die aktive Sterbehilfe auf Minderjährige ausgeweitet, ohne Altersgrenze. Mindestens drei Mal wurde sie seither angewendet.

Die belgische Regelung ist in der EU einmalig. In den Niederlanden ist aktive Sterbehilfe ab zwölf Jahren erlaubt, in Luxemburg nur bei Volljährigen. In Belgien dürfen Erwachsene seit 2002 um ihren Tod bitten, in Deutschland ist aktive Sterbehilfe dagegen komplett verboten. Passive Sterbehilfe – das Abschalten von Apparaten – und indirekte Sterbehilfe, bei der starke Medikamente Schmerzen lindern und als Nebenwirkung das Sterben beschleunigen, sind zulässig.

„Das Wichtigste ist, dass das Kind die Entscheidung trifft“

Die Ausweitung des belgischen Gesetzes vor gut fünf Jahren löste heftige Diskussionen aus. Kann ein Siebenjähriger die Dimension dieser Entscheidung begreifen? Kann eine Neunjährige etwas Abstraktes wie Schmerz bewerten? Noch während der Abstimmung im belgischen Parlament am 13. Februar 2014 rief ein Zuschauer „Mörder“ in den Saal. Als 2016 der erste Fall bekannt wurde, schaltete sich der Vatikan ein. Das Gesetz nehme Kindern das Recht auf Leben, hieß es.

Die staatliche Sterbehilfe-Kommission in Belgien sieht das anders. Obwohl die Regel nur wenige Kinder betreffe, sei sie sinnvoll, heißt es in einem Bericht aus dem vergangenen Jahr. So hätten Minderjährige die freie Wahl und ein Mitspracherecht beim Ende ihres Lebens. „Das Wichtigste ist, dass das Kind die Entscheidung trifft“, sagt die Anwältin Jacqueline Herremans, die der Kommission angehört.

Für diese Entscheidung sei zwar nicht jedes Kind reif genug. Aber: „Wir sprechen über Kinder, die Wochen oder Monate im Krankenhaus verbringen. Die sind reifer als andere.“ Herremans ist grundsätzlich für aktive Sterbehilfe. „Das sollte die Freiheit jedes Einzelnen sein“, sagt sie. „Aber niemand sollte diese Freiheit haben, ohne ausreichend informiert zu sein.“

„Bedeutung des Umeinander-Kümmerns verloren“

Tom Mortier sieht in der belgischen Regelung hingegen alles andere als Freiheit. Seine depressive Mutter habe 2012 ohne sein Wissen um Sterbehilfe gebeten – erst am Tag nach ihrem Tod sei er darüber informiert worden. „Das Problem in unserer Gesellschaft ist offensichtlich, dass wir die Bedeutung des Umeinander-Kümmerns vergessen haben“, sagt Mortier. Seine Mutter habe seit vielen Jahren an Depressionen gelitten, aber sei ansonsten gesund gewesen. Derzeit prüft der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte den Fall.

Bei den bislang bekannten Minderjährigen-Fällen litt ein Patient an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose, ein anderer hatte bösartige Tumore im Kopf und der Dritte litt an der Duchenne-Muskeldystrophie, einer bestimmten Art des Muskelschwunds.

Das belgische Sterbehilfe-Gesetz erlaubt Ärzten die Tötung auf Verlangen von erwachsenen, unheilbar kranken Patienten, wenn Mediziner ein unerträgliches Leiden bescheinigen. Auch bei Kindern ist eine unheilbare Krankheit Voraussetzung. Der junge Patient muss unter starken Schmerzen leiden, die kein Medikament lindern kann. Ein Psychologe muss bezeugen, dass er urteilsfähig ist und in der Lage, sich aus freien Stücken fürs Sterben zu entscheiden. Die Eltern müssen zustimmen.

„Vorreiter des Tabubruchs“

Seitdem Sterbehilfe in Belgien 2002 eingeführt wurde, steigen die Fallzahlen kontinuierlich. 2004 waren es 349 Fälle, 2017 schon 2309. Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, kritisiert, dass die belgische Gesellschaft sich an Sterbehilfe gewöhnt habe – dazu habe auch die Diskussion darüber geführt. Allein von 2012 auf 2013 – also als über die Ausweitung auf Minderjährige diskutiert wurde – sei die Fallzahl um fast 400 auf 1807 gestiegen. „Das macht schon betroffen.“

Während die aktive Sterbehilfe von französischsprachigen Patienten in Belgien vergleichsweise wenig genutzt wird – 2017 gab es 517 Fälle -, ist das bei den Flämisch sprechenden Patienten anders (1792). Die Niederlande – 2002 das weltweit erste Land, das aktive Sterbehilfe zuließ – sei für die benachbarten Flamen „trauriger Vorreiter des Tabubruchs“, sagt Brysch.

Anwältin Herremans sieht das anders. Ihr zufolge haben die flämischen Ärzte von der Erfahrung ihrer Kollegen aus den Niederlanden profitiert. An französischsprachigen Universitäten werde sich jedoch auch heute noch viel weniger mit dem Thema befasst. Für Berührungsängste zur Sterbehilfe gebe es viele Gründe.

Wegen des Sterbehilfe-Gesetzes würden sich mittlerweile jedoch immer mehr Belgier mit dem Tod auseinandersetzen – und auch über Themen wie Palliativmedizin sprechen. In einem kleinen Land wie Belgien mit gut elf Millionen Einwohnern seien bei rund 2300 Sterbehilfe-Fällen schließlich schon viele Menschen auf die ein oder andere Art – etwa als Angehöriger, Pfleger oder Arzt – damit in Berührung gekommen.

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Krank nach Vogelattacke

Die 41-jährige Patientin sitzt mit schweren Beschwerden beim Hausarzt. Plötzlich hat sie hohes Fieber bekommen, zusätzlich leidet sie unter Kopf- und Gliederschmerzen. Auch ihre Lymphknoten links am Hals tun stark weh. Jede Kopfbewegung ist mit Schmerzen verbunden.

Der Mediziner verschreibt ihr Schmerzmittel und Fiebersenker. Eine Blutuntersuchung gibt keinen Aufschluss darüber, was die Beschwerden verursacht. Der Arzt nimmt an, dass die Patientin unter einer von Viren verursachten Hirnhautentzündung leidet. Diese ist im Gegensatz zu einer von Bakterien ausgelösten Hirnhautentzündung kein medizinischer Notfall, sondern heilt meist von selbst wieder ab.

Ungewöhnliches Erlebnis beim Joggen

Die Frau erzählt von einem ungewöhnlichen Erlebnis, das sich sechs Tage zuvor ereignete: Beim Joggen im Schweizer Kanton Aargau griff sie ein Mäusebussard von hinten an. An ihrem linken Hinterkopf bildete sich danach eine Beule. Die Stelle ist inzwischen verkrustet, sie hatte also eine Kratzverletzung. Ein Zusammenhang mit ihren aktuellen Beschwerden scheint jedoch unwahrscheinlich.

Ihr Zustand bessert sich leider nicht. Drei Tage später wird sie in ein regionales Krankenhaus in der Schweiz eingeliefert. Die Ärzte dort untersuchen die Frau und stellen die Verdachtsdiagnose, dass ein Infekt der oberen Atemwege ihre Beschwerden verursacht. Außerdem dokumentieren sie, dass die Lymphknoten hinterm linken Ohr deutlich angeschwollen sind. Erneut erhält die Frau Schmerzmittel. Außerdem sollen Entzündungshemmer die Symptome abklingen lassen.

Fünf Tage später wird sie aus dem Krankenhaus entlassen – nicht, weil sie beschwerdefrei ist, sondern auf ihren Wunsch. Noch wochenlang nimmt sie Schmerzmittel und Entzündungshemmer, ohne gesund zu werden. Gut drei Wochen nach dem Termin beim Hausarzt wird sie schließlich in die Infektiologie-Abteilung des Kantonsspitals Baden überwiesen, denn es geht ihr weiterhin schlecht.

Dort stellen die Ärzte fest, dass die Frau 40 Grad Fieber hat und unter Muskelschmerzen leidet. Am Hinterkopf sehen sie eine kleine verkrustete Stelle, die auf den Bussard-Angriff zurückzuführen ist. Die in der Nähe liegenden Lymphknoten sind immer noch geschwollen.

Die Experten vermuten, dass die Patientin an einer Krankheit leidet, die Menschen vergleichsweise selten trifft: Tularämie, auch als Hasenpest bekannt. Ausgelöst wird sie von Bakterien der Art Francisella tularensis. Sie versuchen, die Erreger in einer Blutkultur der Patientin nachzuweisen. Das gelingt zwar nicht. Es ist jedoch auch bekannt, dass das Anzüchten von F. tularensis in Kulturen im Labor häufiger misslingt. Trotzdem können die Ärzte ihren Verdacht bestätigten, denn im Blut der Frau finden sich zahlreiche Antikörper gegen den Hasenpest-Erreger.

Abszess an den Lymphknoten

Die Patientin erhält jetzt Antibiotika, um die Bakterien zu bekämpfen. Langsam klingt ihr Fieber ab und sie fühlt sich wieder besser. Doch die Lymphknoten, bei denen sich inzwischen ein eitriger Abszess gebildet hat, sind weiterhin ein Problem. Die Ärzte müssen zum Messer greifen, um den Eiter abfließen zu lassen. Danach heilen auch die Lymphknoten ab.

Seltene Erkrankung beim Menschen

Im „Schweizer Archiv für Tierheilkunde“ beschreibt ein Team von Infektiologen und Veterinären um Felix Ehrensperger den ungewöhnlichen Fall. Die Hasenpest befällt vor allem – wie der Name verrät – Feldhasen, ebenso sind Kaninchen und Nagetiere hochempfänglich, schreiben die Experten. Katzen, Hunde, Schafe, Rinder, Pferde, Vögel – und Menschen – erkrankten nicht so leicht. In Deutschland werden dem Robert Koch-Institut pro Jahr etwa 20 bis 30 Tularämie-Fälle bei Menschen gemeldet. Das Institut geht von einer hohen Dunkelziffer aus.

Die Krankheit kann beim Kontakt mit infizierten Tieren auf den Menschen übertragen werden, auch Jäger und Metzger können sich beim Häuten anstecken. Ebenso sind Übertragungen durch belastete Lebensmittel, Wasser oder Staub (etwa bei Heuarbeiten) oder durch Zeckenbisse bekannt. Von Mensch zu Mensch wird die Krankheit nach heutigem Kenntnisstand nicht übertragen.

Der Bussard hatte möglicherweise Bakterien an den Krallen, weil er infizierte Nagetiere erbeutet hatte. Denn von einer Übertragung durch Greifvögel wurde noch nie berichtet, heißt es im Fallbericht. Es wäre jedoch auch möglich, dass der Bussard mit Tularämie infiziert war.

Wenn Mäusebussarde Menschen angreifen, dann in der Regel, weil sie ihre Jungvögel schützen wollen. Jogger oder Spaziergänger können dabei – ohne dass sie den Vogel-Nachwuchs überhaupt wahrnehmen – zum Ziel werden. An der Stelle, an der die Patientin angegriffen wurde, attackierte ein Bussard später drei weitere Jogger. Bei einem der Betroffenen wurde tatsächlich auch eine Tularämie diagnostiziert.

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Rattenplage im Rathaus von L.A.

Das Rathaus von Los Angeles – bekannt aus Filmen wie „Chinatown“ oder „L.A. Confidential“ – hat ein Rattenproblem. Um der seit Monaten anhaltenden Plage Herr zu werden, ließ die Verwaltung Teppichböden herausreißen, Fallen aufstellen und Räume ausräuchern – bislang vergebens.

Mitglieder des Stadtrats berichten, die Nagetiere würden sich in dem 91 Jahre alten Gebäude nach Herzenslust ausbreiten. Sie nisteten sich in Topfpflanzen ein, nagten an Teppichen und hinterließen Kot auf mehreren Stockwerken.

Flöhe in den Teppichen als mögliche Ursache

Der Stadtratsvorsitzende Herb Wesson brachte vergangene Woche deshalb eine Resolution ein, um „den Umfang des Ungeziefers festzustellen und die Schädlingsbekämpfung zu überprüfen“. Er empfahl, sämtliche Teppiche aus dem 27-stöckigen Art-déco-Hochhaus zu entfernen. In seinem Büro im vierten Stock seien so viele Flöhe und anderes Ungeziefer im Teppich gewesen, dass er diesen bereits habe herausreißen lassen.

Die Stadt-Juristin Elizabeth Greenwood ist überzeugt, dass sie wegen der Ratten im vergangenen November an Fleckfieber erkrankte. „Es war schrecklich. Ich dachte, dass ich sterben würde und wusste nicht, was mit mir los war“, sagte sie dem örtlichen CBS-Sender.

Nicht der erste Fleckfieber-Ausbruch in Los Angeles

Vertreter der Stadt vermuten den Abriss des gegenüberliegenden Parker Centers, des ehemaligen Hauptquartiers der Polizeibehörde von Los Angeles, als Ursache der Rattenplage. Es ist jedoch nicht der erste Ausbruch von Fleckfieber in der Stadt: Bereits im vergangenen Jahr brach die Krankheit mehrheitlich unter Obdachlosen im Stadtgebiet aus. Damals wurden der Gesundheitsbehörde 64 Fälle gemeldet, im Jahr 2017 waren es insgesamt 67 – doppelt so viele wie in den vorherigen Jahren.

Im Stadtgebiet von L.A. leben offiziellen Angaben zufolge mehr als 30.000 Menschen ohne festen Wohnsitz, viele kampieren in Zelten unter Brücken oder an Schnellstraßen und Bahnlinien. Sie haben kaum Zugang zu Toiletten und Waschräumen. Fleckfieber gilt in westlichen Industrienationen als weitgehend ausgerottet, ist mit mangelnder Hygiene und Armut assoziiert und tritt vor allem in Entwicklungsländern auf.



Die Krankheit wird von Flöhen, die zum Beispiel im Fell von Ratten und Straßenkatzen zu finden sind, übertragen. Zu den Symptomen gehören plötzlich auftretendes Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost. Die Krankheit ist jedoch nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

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Diese Übungen sind effektiv – und schaffbar

Liegestütze gehen auch im Stehen. Robin Müller-Schober nimmt dazu ein Fitnessband, legt es um den oberen Rücken und unter den Achseln hindurch und drückt die beiden Enden des Bandes mit den Händen nach vorn. So stärkt der Personal Trainer vom Fitnesszentrum SportCodex in Stuttgart vor allem die Muskulatur an der Oberarmrückseite und an den Unterarmen. Das ist die einfachste Form des Liegestütz – und ein Beleg dafür, dass effektive Fitness-Übungen nicht gleich in Leistungssport ausarten müssen.

Ob zusätzlich zum Joggen, als Ergänzung zum Yoga oder ganz ohne sonstigen Sport: Wer seine Muskulatur stärken will, muss sich nicht sofort im Fitnessstudio anmelden. Ein paar Übungen lassen sich auch gut zu Hause ausprobieren und steigern. Das sollte allerdings nur ganz langsam passieren, rät Müller-Schober: „Vorsicht vor falschen Ambitionen. Wenn Sie anfangen, sollten Sie nicht denken, dass es olympisch werden muss.“

Um von den Füßen bis zu den Schultern zu trainieren, empfiehlt Müller-Schober neben dem Liegestütz vier weitere Übungen auf jeweils drei Belastungsstufen, die Sport-Anfänger an ein höheres Fitnessniveau heranführen. Jede Übung sollten auch Sportanfänger 30 Sekunden lang durchhalten, gefolgt von 20 Sekunden Pause. Dann startet die nächste Übung, bis alle fünf durch sind. Wichtig dabei: „Sie sollten jede Wiederholung so sauber wie möglich machen, um Ausweichbewegungen und damit Fehlbelastungen zu vermeiden.“

Pro Trainingseinheit empfiehlt Müller-Schober zwei bis vier Durchgänge. Um das Niveau nach und nach zu steigern, sollte der Ablauf dreimal pro Woche wiederholt werden. „Wenn man dieses Programm durchführt, ist man schon relativ fit“, sagt der Personal Trainer. Notwendig sind nur ein Fitnessband, eine Matte und etwas Platz zu Hause.

DIE FÜNF ÜBUNGEN IM ÜBERBLICK:

Liegestütz: Auf der zweiten Belastungsstufe (nach der Übungen mit dem Band im Stehen) kniet man sich auf den Boden und bringt den Oberkörper nach vorn in die Waagerechte. Die Hände liegen flach auf dem Boden, etwas weiter als hüftbreit. Die Zehenspitzen zeigen zum Boden, die Fersen nach oben. Dann geht man mit der Nasenspitze fast bis zum Boden und drückt sich wieder hoch.

Stufe zwei: Liegestütze auf den Knien

Auf der dritten Stufe stellt man sich im Abstand von etwa einen Meter mit geschlossenen Beinen vor einen Gegenstand mit rund 80 Zentimetern Höhe – zum Beispiel vor ein stabiles Schränkchen. Mit knapp einen Meter geöffneten Armen stützt man sich auf dem Gegenstand ab, bewegt sich darauf zu und drückt sich dann wieder nach oben ab.

Wichtig bei allen Liegestützen ist, die Körpermitte stabil zu halten. Die Hüfte sollte nicht durchhängen, das Gesäß aber auch nicht nach oben oder hinten schießen. Gelingt das noch nicht, sollte man lieber bei der geringeren Belastungsstufe bleiben. (Mehr Informationen zur korrekten Liegestütze finden Sie hier.)

Oberkörperzugbewegung: Der Sportler hängt ein Fitnessband zum Beispiel an einer Türklinke ein, wickelt die beiden Enden um die Hände und stellt sich so weit von der Tür weg, dass das Band unter Zug ist. Dann zieht man das Band mit den Armen zurück und führt es kontrolliert wieder zurück in die Ausgangsposition. Die Ellbogen werden eng am Körper entlang geführt.

Auf dem zweiten Level nimmt man ein stärkeres Band. Beim Ziehen gehen die Ellbogen nun nach außen. Auf der dritten Stufe nimmt man beide Enden des Fitnessbands in eine Hand, sodass man mehr Kraft aufbringen muss, und zieht es eng am Rumpf vorbei. Das trainiert Unterarme, die Oberarmvorderseite und die Muskeln, die die Schulterblätter anbinden.

Kniebeuge: Für die erste Stufe setzt man sich auf einen Stuhl, stellt die Füße hüftbreit auseinander, steht langsam auf und setzt sich wieder hin – natürlich ohne Hilfe der Arme. Bei der zweiten Stufe erschwert die Übung, dass man zusätzlich ein Gewicht vor dem Oberkörper hält, zum Beispiel zwei volle Wasserflaschen. Zuletzt berührt man die Sitzfläche des Stuhls nur noch leicht und drückt sich sofort wieder nach oben. Durch das fehlende Hinsetzen ist der Kraftaufwand noch größer.

Das Gewicht sollte bei der ganzen Übungen auf den Fersen liegen, die Zehen also noch beweglich sein. Kniebeugen, auch Squats genannt, kräftigen vor allem die Unterschenkel sowie die Vorderseite der Oberschenkel. Mehr zu Kniebeugen und ihrer richtigen Ausführung erfahren Sie hier.

Bridging: Bei diesem Fitnessklassiker legt man sich auf den Rücken, winkelt die Beine an und setzt die Füße leicht geöffnet mit den Fersen auf. Nun drückt man aus dieser Position heraus den Rumpf (also den Po) nach oben und lässt ihn langsam wieder ab. Während des Auf und Ab setzt das Gesäß nicht auf dem Boden auf. Die Übung kräftigt die Muskulatur des Rückens, der Waden und der Oberschenkelrückseite.

Auf dem zweiten Level drückt man den Rumpf nach oben und hebt dann abwechselnd das linke und das rechte Bein an. Auf dem dritten drückt man sich nach oben, hebt das eine Bein an und hält es in der Luft. Anschließend bewegt man den Rumpf immer wieder nach oben. Dann wechselt man das Bein.

Frontstütz: Bei dieser auch „Plank“ genannten Übung kniet man sich für die erste Stufe hin, bringt den Oberkörper nach vorn in die Waagerechte und legt die Ellbogen schulterbreit auf dem Boden ab. Die Hände liegen eng nebeneinander, die Füße stehen auf den Zehenspitzen. In dieser Stellung bleibt man für 30 Sekunden. Auf der nächsten Stufe hebt man die Knie – und damit auch den Rumpf – und drückt die Beine durch.

Frontstütz oder Planking – Stufe zwei

Wichtig ist, dass der Körper dabei eine gerade Linie bildet, der Kopf ist die Verlängerung der Wirbelsäule, der Blick geht nach unten. Bauch und Gesäß sollten angespannt sein, damit der Po nicht durchhängt.

Auf der dritten Stufe kniet man sich wieder hin, hebt während der Übung den einen Arm an und hält diese Position 30 Sekunden. Dann wiederholt man das Gleiche mit dem anderen Arm. Der Frontstütz fördert die Stabilität und trainiert fast alle Muskeln auf der Vorderseite des Körpers. (Mehr zum Planking erfahren Sie hier.)

Bleibt die Frage: Wie schafft man es dranzubleiben?

Beim Training dürfen keine Schmerzen auftreten, sagt Paul Reinborn, Physiotherapeut am Olympiastützpunkt Stuttgart. In diesem Fall sei es sinnvoll, sich ärztlich oder physiotherapeutisch beraten zu lassen. Müller-Schober rät ohnehin dazu, sich vor dem ersten Training einmal untersuchen zu lassen – und spätestens wenn der Körper Alarm schlägt.

Auch Lars Donath von der Deutschen Sporthochschule Köln rät zu Zielen, die zwar herausfordern, aber machbar sind. Sonst drohe das Gefühl zu scheitern und damit auch der Verlust der Motivation. Mehr dazu lesen Sie hier.

„Wie schnell man die Belastung tatsächlich steigert, würde Donath davon abhängig machen, ob man sich auf dem aktuellen Niveau gut fühlt. „Meine Empfehlung wäre, dass man sich am inneren Kompass oder dem individuellen Belastungsgefühl orientiert.“

Um dauerhaft bei der Sache zu bleiben, sei es zudem sehr wichtig, „dass man das Programm in einen sozialen Kontext setzt“, erklärt der Leiter der Abteilung für trainingswissenschaftliche Interventionsforschung. Das geht etwa im Verein oder – gerade bei den Übungen für zu Hause – im Tandem mit einem Freund.

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Was Deutschland von Mali lernen kann

Fatmata Traoré wartet seit gut vier Stunden bei mehr als 30 Grad im Schatten auf eine Impfung für ihre Zwillinge. Mit Dutzenden anderen Müttern und Kleinkindern sitzt sie im staubigen Hof eines Gesundheitszentrums in der Stadt Mopti in Mali. Sie wartet gerne: „Früher sind hier viele Kinder gestorben“, sagt die Ende 30-Jährige. Wann immer es eine Epidemie gegeben habe, hätten viele Mütter ihre Kinder begraben müssen, erinnert sie sich. „Jetzt sind alle Kinder geimpft.“

Impfungen verhindern nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich zwei bis drei Millionen Todesfälle. Doch in Deutschland und anderen reichen Ländern wird die Skepsis gegenüber Vakzinen immer lauter. Die WHO zählt die mangelnde Impfbereitschaft bereits zu den größten Gesundheitsrisiken der Welt. Die Fallzahlen vermeidbarer Krankheiten wie Masern steigen rasant an.

Bei der Akzeptanz von Impfungen könnte Deutschland wohl etwas von ärmeren Staaten wie Mali lernen. Dort nehmen Menschen Impfungen als Segen wahr, denn viele erinnern sich noch an Zeiten, in denen Kinder an vermeidbaren Krankheiten wie Masern, Pocken oder Tetanus gestorben sind. „Hier hat deswegen keiner Angst vor Impfungen“, erklärt die Ärztin Anne Kodio, die das Gesundheitszentrum in Mopti leitet.

2,5 Millionen weniger Todesfälle durch Masern seit 1980

Der Erfolg von Impfungen ist beeindruckend: Nach der weltweiten Einführung der Masern-Impfung etwa ist die Zahl der Erkrankungen drastisch gesunken. Noch 1980 starben der WHO zufolge rund 2,6 Millionen Menschen an der Viruskrankheit, 2017 waren es noch knapp 110.000. Doch die Zahl der Masernerkrankungen in Europa hat sich zuletzt vervielfacht – von 5273 im Jahr 2016 auf 23.927 im Folgejahr. Die Rückkehr solcher vermeidbarer Krankheiten in Europa sei „ein Weckruf“ und verlange „rasches Handeln“, fordert die WHO.

Die zunehmende Impfmüdigkeit in reicheren Ländern hat Experten zufolge verschiedene Gründe: Manchmal sind Eltern einfach nachlässig und vergessen vorgesehene Impfungen. Andere zweifeln am Sinn der vielen Impfungen. Manche lehnen Vakzine auch rundheraus ab, weil sie ein hohes Risiko für Nebenwirkungen befürchten, auch wenn es dafür keine soliden wissenschaftlichen Belege gibt.

„Die Impfgegner sind eine sehr kleine, aber auch sehr aktive Gruppe“, erklärt Medizinerin Sabine Wicker vom Universitätsklinikum Frankfurt. Die allermeisten Deutschen seien „Impfbefürworter“, so Wicker. Sie ist Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko), die die Impfempfehlungen für die Bundesrepublik entwickelt. Wenn Menschen krank seien, gingen sie zum Arzt und akzeptierten Therapien, weil sie gesund werden wollten, erklärt Wicker. Bei Impfungen hingegen müsse eine gesunde Person von einer präventiven Maßnahme überzeugt werden.

„Es gibt keine medikamentöse Behandlung ohne das Risiko von etwaigen Nebenwirkungen“, räumt Wicker ein. Sie nutzt das Beispiel Masern, um die Risikoabwägung zu erläutern: Bei einer Erkrankung bekomme statistisch etwa jeder 1000. Patient eine Enzephalitis, also eine Entzündung im Gehirn. Es drohen bleibende Schäden oder gar der Tod. Infolge der Impfung stehe das Risiko bei etwa eins zu einer Million. Wicker bilanziert: „Nicht zu impfen ist das deutlich größere Risiko.“

Bei den meisten Impfungen steht Deutschland noch gut da: Bei Untersuchungen zum Schulbeginn 2016 waren rund 95 Prozent der Kinder gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft, wie das Robert Koch-Institut berichtet. Der Anteil der gegen Diphtherie, Tetanus und Polio (Kinderlähmung) geimpften Kinder ist jedoch seit 2006 zurückgegangen und liegt nun unter 95 Prozent. Diese Schwelle erachtet die WHO als Untergrenze, um die Bevölkerung vor neuen Epidemien zu schützen.

In Mali haben Impfkampagnen Zehntausende Kinder vor dem Tod bewahrt

Während Impfskeptiker in Deutschland eher im Bildungsbürgertum zu finden sind, ist es in Mali genau umgekehrt: Überzeugungsarbeit müsse sie nur manchmal bei Eltern ohne jede Schulbildung leisten, um den Nutzen von Impfungen zu erklären, sagt Ärztin Kodio. Impfkampagnen haben in Mali – einem der ärmsten Länder der Welt – Experten zufolge bereits Zehntausenden Kindern das Leben gerettet. Im Jahr 2000 starb dort jedes fünfte Kind noch vor dem fünften Geburtstag, inzwischen ist es laut Weltbank nur noch jedes Zehnte. In Deutschland stirbt etwa jedes 300. Vorschulkind.

Für die 65 Jahre alte Malierin Mamou Sylla ist diese Statistik nicht abstrakt: Vier ihrer sieben Kinder sind bei der Geburt oder als Kleinkinder gestorben. Eine ihrer Töchter litt zudem an Polio und ist seither körperlich behindert. „Ich bin keine Expertin, aber was ich erleben musste, das hat mir genug beigebracht“, sagt sie. Heute hilft Sylla in ihrem Heimatort Baraouéli bei jeder Impfkampagne mit. Sie sagt: „Ich will nicht, dass andere Mütter das Gleiche erleiden müssen.“

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Internationale Lungenärzte befürworten Schadstoff-Grenzwerte

Internationale Lungenfachärzte mischen sich in die von deutschen Kollegen losgetretene Debatte um Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub ein. Das Forum der Internationalen Lungengesellschaften (FIRS) stimme den nationalen deutschen Standards, den europäischen Standards und denen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nachdrücklich zu, heißt es in einer in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ veröffentlichten Stellungnahme. Damit widersprechen sie der Gruppe deutscher Lungenfachärzte, die in der vergangenen Woche den gesundheitlichen Nutzen der aktuellen Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide bezweifelt hat.

Die Schadstoffbelastung der Luft schädigt nach Einschätzung der Gruppe internationaler Fachärzte nicht nur die Lunge, sondern auch andere Organe und verschlechtere chronische Erkrankungen. Die Grenzwerte seien so gewählt, dass selbst für chronisch Kranke wesentliche negative Effekte auf die Gesundheit ausgeschlossen werden können.

„FIRS unterstützt deshalb nachdrücklich internationale Standards. Jede Aktivität für eine saubere Luft fördert die Gesundheit“, heißt es in der Stellungnahme. FIRS ist ein Zusammenschluss verschiedener internationaler pneumologischer Fachverbände. Angeführt wird er derzeit von Professor Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Deutlicher Widerspruch

Eine Gruppe von Lungenspezialisten um Dieter Köhler, den ehemaligen Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), hatte am vergangenen Mittwoch die Debatte angestoßen, indem sie den gesundheitlichen Nutzen der aktuellen Grenzwerte bezweifelt. Sie sähen keine wissenschaftliche Begründung, die die geltenden Werte rechtfertigen würden. Die Grenzwerte sind Grundlage für Dieselfahrverbote in einigen deutschen Städten.

Die Position der Gruppe um Köhler stehe in wesentlichen Teilen in deutlichem Widerspruch zu den von pneumologischen Fachgesellschaften und Berufsverbänden publizierten Stellungnahmen zur Relevanz von Luftschadstoffen für die Gesundheit, hieß es am Samstag auch vom Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner (BdP).

Die Einwände der rund 100 Pneumologen – aus einer Befragung von über 4000 Mitgliedern der DGP – repräsentierten keineswegs die Meinung der Mehrheit der deutschen Lungenärzte. (Lesen Sie hier die Replik von Lungenfacharzt Kai-Michael Beeh)

Recht auf schadstoffarme Luft

Laut einer aktuellen Onlineumfrage des Verbandes sehen mehr als drei Viertel der antwortenden Mitglieder in Stickoxiden einen Marker für schlechte Luft, der stellvertretend auch für die übrigen, oft wesentlich gefährlicheren Schadstoffe stehe. Ein Großteil der Befragten sei der Ansicht, dass eine Diskussion über die Methodik von Studien nicht zu einer Bagatellisierung der Auswirkungen von Luftverschmutzung führen dürfe, hatte der BdP mitgeteilt. Vielmehr müsse die umstrittene Beweislage zu verbesserten Beweisen führen.

Jeder müsse ein Recht auf möglichst schadstoffarme Luft haben – schließlich sei ein freiwilliger Verzicht anders als etwa bei Zigaretten nicht möglich, hieß es vom BdP weiter. „Verstörend ist es, wenn Ärzte nicht eindeutig für saubere Luft für Patienten und Gesunde eintreten.“

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Forscher finden Ebola-Virus in Fledermaus

Forscher haben das für Menschen hochgefährliche Ebola-Virus erstmals bei einer Fledermaus in Westafrika nachgewiesen. Weitere Untersuchungen müssten nun ergeben, ob mehr Fledermäuse betroffen sind und wie sie das Virus verbreiten, erklärte das liberianische Gesundheitsministerium. „Diese Informationen werden uns helfen, Strategien zu entwickeln, das Risiko weiterer Epidemien zu reduzieren“, hieß es weiter. Antikörper gegen das Virus waren bereits zuvor bei Fledertieren in der Region nachgewiesen worden.

Die Analyse des Genoms habe eine große Übereinstimmung mit dem sogenannten Zaire-Ebola-Virus ergeben, das in Westafrika 2014/2015 den verheerenden Ebola-Ausbruch mit rund 11.000 Toten verursacht habe, erklärte der Virologe Simon Anthony von der Universität Columbia in New York zu dem Fund. „Das ist wichtig, weil wir bislang gar nicht wussten, wie es zu der Westafrika-Epidemie kam“, sagte der an der Analyse beteiligte Forscher. Nun könne mehr über Ebola herausgefunden werden, auch hinsichtlich der Frage, wie das Virus auf Menschen übertragen werde.

Der Fund ist bislang noch nicht in einer namhaften wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht worden, weil die Untersuchungen noch andauern. (Eine Meldung auf der Webseite der Universität Columbia finden Sie hier.) Bislang sei nur die DNA von rund einem Viertel der Proben von 4000 Tieren aus Liberia analysiert worden, erklärte Anthony. Es sei aber vor allem den Behörden in Liberia wichtig gewesen, die Bevölkerung sofort vor der Tötung und dem Verzehr von Fledermäusen zu warnen. Die tödlichen Folgen des Ebola-Virus seien bekannt. „Daher wäre es falsch gewesen, diesen Fund zurückzuhalten“, so Anthony.

Gesundheitsministerium warnt vor Jagd auf Fledermäuse

Experten nehmen schon lange an, dass Fledermäuse oder Flughunde Träger des Virus und damit der Ausgangspunkt von Epidemien sein können. In Fledertieren Zentralafrikas wurde der Erreger bereits vor Jahren nachgewiesen. Bei der nun als Träger identifizierten Fledermaus in Westafrika handelt es sich um eine Langflügelfledermaus der Art Miniopterus inflatus, die in Höhlen lebt und sich von Insekten ernährt.

Bei Hunderten weiteren bislang getesteten Fledermäusen konnte das Virus allerdings nicht bestätigt werden. Damit könnte es sein, dass das Tier sich zufällig bei einem anderen Wildtier ansteckte, die Art normalerweise aber kein Reservoir für den Erreger ist.

Das Gesundheitsministerium in Monrovia forderte alle Liberianer auf, keine Fledermäuse mehr zu jagen, zu töten oder zu essen. In Liberia, das einem Uno-Index zufolge zu den zehn ärmsten Ländern der Welt gehört, dienen Wildtiere wie Fledermäuse häufig als Nahrung.

Im Video: An der Front in Westafrika – Kampf gegen Ebola

In Liberia sind seit dem Ende der Westafrika-Epidemie – die vor allem Guinea, Sierra Leone und Liberia getroffen hatte – keine Ebola-Erkrankungen mehr bekannt geworden. Im Ost-Kongo gibt es derzeit den bislang zweitschwersten Ausbruch des hämorrhagischen Fiebers. Dort sind bereits mehr als 700 Menschen erkrankt, knapp 450 Menschen starben.

Ein nach der Westafrika-Epidemie entwickelter schützender Ebola-Impfstoff zeigt im Kongo Experten zufolge bislang gute Ergebnisse. Das Virus ist nach einem Fluss im Kongo benannt. Dort wurde es vor Jahrzehnten in dem damals noch Zaire genannten Land erstmals nachgewiesen. Infizierte können das Virus über Körperflüssigkeiten wie Blut, Schweiß oder Erbrochenes übertragen.

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Bluttest sagt Alzheimer Jahre vor den ersten Symptomen voraus

Zunächst ringen sie um Worte, erinnern sich nicht mehr, schließlich sinken sie ganz ins Vergessen: In Deutschland gelten heute etwa 1,7 Millionen Menschen als demenzkrank. Ungefähr zwei Drittel davon haben Alzheimer, die häufigste Form der Demenz. Weil die Lebenserwartung steigt, wird es im Jahr 2050 voraussichtlich drei Millionen Demenzpatienten geben.

Forscher haben nun einen Test entwickelt, der schon Jahre vor den ersten Symptomen auf eine mögliche Alzheimererkrankung hinweist, berichten sie im Fachblatt „Nature Medicine“. Der Test misst bestimmte Eiweiße, die beim Absterben von Nervenzellen entstehen.

„Normalerweise werden solche Proteine im Blut schnell abgebaut und eignen sich daher nicht sehr gut als Marker“, sagt Mathias Jucker vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und Hauptautor der Studie. Ein kleines Stückchen eines sogenannten Neurofilaments zeigte sich jedoch als erstaunlich resistent. Es reicherte sich bereits im Blut von Alzheimerpatienten an, lange bevor die ersten Symptome auftraten.

Daten von mehr als 400 Personen ausgewertet

Genau auf diesem Eiweißstoff basiert der Bluttest. Die Studie geht auf Daten und Proben von 405 Personen zurück, die im Rahmen eines internationalen Forschungsverbunds – dem „Dominantly Inherited Alzheimer Network“ (DIAN) – erhoben wurden. Das Netzwerk untersucht Familien, in denen Alzheimer schon im mittleren Alter auftritt. Anhand genetischer Analysen können Forscher recht genau vorhersagen, ob und wann ein Familienmitglied erkranken wird. An der Studie beteiligt waren auch Experten des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH), des Universitätsklinikums Tübingen und der Washington University School of Medicine.

Das internationale Forschungsteam untersuchte, wie sich bei den Betroffenen die Filament-Konzentration langfristig entwickelte. Das Ergebnis: Bis zu 16 Jahre vor dem Auftreten erster Demenzsymptome stellten die Forscher erhebliche Veränderungen im Blut der Patienten fest. „Es ist nicht der absolute Wert der Filament-Konzentration, sondern deren zeitliche Entwicklung, die wirklich aussagekräftig ist und Vorhersagen über den weiteren Krankheitsverlauf erlaubt“, sagt Jucker.

In weiteren Tests zeigte sich, dass die Konzentration der Neurofilamente ein Gradmesser für das Absterben von Nervenzellen ist. „Wir konnten Vorhersagen über den Verlust von Hirnmasse und über kognitive Beeinträchtigungen machen, die dann zwei Jahre später tatsächlich eingetreten sind“, sagt Jucker.

Der Test allein reicht jedoch nicht für eine Alzheimer-Diagnose, weil sich die Filamente auch bei anderen Krankheiten im Blut anreichern, beispielsweise bei Multiple Sklerose. Außerdem ist noch unklar, ob die Eiweiße auch eine Alzheimererkrankung vorhersagen können, wenn es keine familiäre Vorbelastung gibt.

„Der Test zeigt aber sehr genau den Krankheitsverlauf an und ist damit ein ausgezeichnetes Werkzeug, um in klinischen Studien neue Alzheimer-Therapien zu erforschen“, sagt Jucker. Die Erkrankung des Gehirns ist bisher unheilbar. Die derzeit verfügbaren Demenz-Medikamente verlangsamen nur das Fortschreiten der Erkrankung, können sie aber nicht aufhalten.

Gefährliche Eiweißablagerungen

Schon zwei Jahrzehnte bevor die Demenz beginnt, verändert sich das Gehirn bei Alzheimer-Patienten. So sammeln sich beispielsweise die Eiweißstückchen Beta-Amyloid an. Diese Eiweiß-Ablagerungen gelten als Hauptursache für Alzheimer, weil sie Nervenzellen zerstören, Entzündungen auslösen und die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen stören können. Wissenschaftler hatten deshalb ein Medikament entwickelt, dass diese Eiweiße wieder auflösen sollte. Allerdings konnte es die Demenz bisher nicht aufhalten (mehr dazu lesen Sie hier).

„Dass es noch keine wirksame Therapie gegen Alzheimer gibt, hängt vermutlich damit zusammen, dass die bisherigen Therapien viel zu spät einsetzen“, sagt Jucker. In solchen Fällen könnte der Bluttest helfen.

Außerhalb von klinischen Studien soll der Test jedoch nicht angewendet werden. Zum einen, weil er keine sichere Diagnose liefert. Zum anderen würden wohl nur die wenigsten Betroffenen Jahre im Voraus wissen wollen, dass sie an Alzheimer erkranken – zumindest solange es kein Heilmittel gibt.

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Deutschland muss Grippe-Impfstoff importieren

Deutschland hat wegen des Impfstoffmangels mehrere Tausend Dosen Grippe-Impfstoffe aus EU-Ländern importiert. Dennoch gibt es mancherorts noch Engpässe bei der Versorgung. Allein nach Berlin seien 3000 Dosen geordert worden, sagte eine Sprecherin des Landesamts für Gesundheit und Soziales. Das Saarland erhielt nach Auskunft der Landesapothekenkammer „sehr kleine Mengen“ von Impfstoffen aus Polen und Frankreich, dennoch sei nun keiner mehr verfügbar.

Apotheken in Schleswig-Holstein hätten Impfstoffe „im vierstelligen Bereich“ aus dem Ausland, überwiegend aus Großbritannien, bezogen, sagte der Geschäftsführer der Landesapothekenkammer, Frank Jaschkowski. „Damit konnten kleinere Versorgungslücken geschlossen werden.“ Laut Schätzungen konnten sich einige Tausend Schleswig-Holsteiner nicht gegen Grippe impfen lassen, weil der Impfstoff fehlte.

In anderen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gibt es nach Behördenangaben keine größeren Probleme mit den Impfstoffen. Dennoch reichen die Vorräte nicht aus, um bundesweite Engpässe auszugleichen.

Engpässe trotz erhöhter Produktion

Für diese Saison hatte das Paul-Ehrlich-Institut 15,7 Millionen Dosen freigegeben, rund eine Million mehr als in der Vorsaison benutzt worden waren. Dennoch kam es bereits im Herbst zu Engpässen. Das Bundesgesundheitsministerium erlaubte deshalb im November den Import von Grippe-Impfstoffen.

In der vergangenen Saison wütete die Grippe besonders heftig. Experten gehen davon aus, dass sich in diesem Jahr deshalb mehr Menschen gegen die Infektion impfen lassen wollten. Außerdem wird nur noch ein Vierfachimpfstoff eingesetzt, der als wirksamer gilt als einer mit drei Komponenten, wie er in den vergangenen Jahren oft zum Einsatz kam.

Menschen mit besonderem Risiko sollten sich auch derzeit noch impfen lassen – falls in der Region noch Impfstoff vorhanden sei, sagte die Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI), Susanne Glasmacher. Es dauere aber bis zu zwei Wochen, bis ein Impfschutz aufgebaut sei. Die Grippesaison beginnt meist im Dezember beziehungsweise Januar. Bisher hat das RKI aber noch keine erhöhten Infektionszahlen festgestellt.

Wer sollte sich impfen lassen?

  • Ärzte empfehlen die Impfung besonders Menschen, denen eine Grippeinfektion besonders gefährlich werden kann. Dazu gehören:
  • Menschen ab 60 Jahren,
  • Schwangere ab dem zweiten Trimester (dann ist auch das Baby in den ersten Lebensmonaten geschützt),
  • chronisch Kranke,
  • medizinisches Personal und Pflegekräfte aufgrund ihres erhöhten Infektionsrisikos und der größeren Gefahr, den Erreger an Patienten weiterzugeben,
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen.

Die vergangene Grippewelle hatte das RKI bereits als stärkste seit Jahren gewertet. Vermutlich starben daran in Deutschland mehr als 20.000 Menschen, vor allem ältere.

Experten kritisieren seit Längerem, dass der Nutzen der Impfung häufig unterschätzt werde. Laut einer Befragung ließen sich nur 40 Prozent der Menschen, denen eine Impfung empfohlen wird, auch tatsächlich immunisieren.

Viele unterschätzen eine Grippe und verwechseln sie mit einem grippalen Infekt. Die Symptome der Grippe sind jedoch deutlich stärker. Selbst in unkomplizierten Fällen dauert eine Influenza fünf bis sieben Tage. Im schlimmsten Fall können lebensgefährliche Komplikationen auftreten wie Lungen- oder Herzmuskelentzündungen. Gerade Kinder sowie ältere und immungeschwächte Menschen sind gefährdet.

Auch wenn die Impfung nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion schützt, gilt sie als das beste Mittel gegen Grippe. Etwa eine halbe Million Grippeerkrankungen werden dadurch in Deutschland pro Jahr vermieden, schätzt das Robert Koch-Institut.

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Diese Untersuchungen zahlen die Kassen

In die Arztpraxis gehen, obwohl man gesund ist und sich gut fühlt? Das kann manchmal sinnvoll sein, um Krankheiten zu entdecken, die sich im Anfangsstadium nicht bemerkbar machen. Ein Überblick über die Untersuchungen, die die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zahlen.

Check-up

Bislang steht die Untersuchung gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren alle zwei Jahre zu. Ab voraussichtlich Frühjahr 2019 haben Kassenpatienten alle drei Jahre Anspruch darauf, dafür soll es eine weitere einmalige Untersuchung im Alter zwischen 18 bis 35 Jahren geben.

Beim Check-up stellt der Arzt ein paar Fragen zur Vorgeschichte des Patienten. Danach erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der unter anderem Herz, Bauch und Lunge überprüft werden, erläutert der Kieler Internist Ulrich R. Fölsch.

Eine Blutprobe wird mit Blick auf Blutzucker- und Cholesterinwerte untersucht. So lässt sich einschätzen, ob ein Risiko etwa für Diabetes besteht. Zudem wird beim Check-up der Blutdruck gemessen. Dieser Wert kann gemeinsam mit dem Cholesterin-Wert Aufschluss darüber geben, ob ein erhöhtes Risiko für Gefäßverkalkung oder für einen Herzinfarkt besteht. Ebenfalls zum Check-up gehört eine Urin-Untersuchung. Sie gibt Hinweise etwa auf Nieren- oder Blasenerkrankungen. Künftig überprüft der Arzt beim Check-up auch den Impfstatus, sagt Fölsch.

Hautkrebs-Screening

Hier geht es darum, Anzeichen für weißen oder schwarzen Hautkrebs aufzuspüren. Der Arzt schaut sich den ganzen Körper an. Dieses Screening sollte nach Möglichkeit in Verbindung mit dem Check-up durchgeführt werden, rät das Bundesgesundheitsministerium. In Anspruch nehmen können es alle Versicherten ab 35 Jahren alle zwei, künftig alle drei Jahre.

Darmkrebsfrüherkennung

Versicherte haben Anspruch auf zwei Darmspiegelungen zur Früherkennung. Entdeckt der Arzt dabei Schleimhautwucherungen, entfernt er sie sofort. Frauen können das Angebot auf Kassenkosten erstmals mit 55 Jahren wahrnehmen, Männer mit 50. Zwischen beiden Terminen müssen mindestens zehn Jahre liegen.

Im Alter von 50 bis 54 Jahren können Frauen und Männer jährlich einen speziellen Stuhltest durchführen lassen. Nehmen sie keine Darmspiegelung in Anspruch, können sie diesen Test ab 55 Jahren weiter alle zwei Jahre in Anspruch nehmen (Mehr Informationen zur Darmkrebs-Früherkennung finden Sie hier.)

Zahnvorsorge

Die GKV zahlt für ihre erwachsenen Versicherten zwei Kontrolluntersuchungen im Jahr. Außerdem kommt sie alle zwölf Monate für die Entfernung von harten und weichen Zahnbelägen auf.


Für Frauen

Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs

Versicherte ab einem Alter von 20 Jahren haben hierauf alle zwölf Monate Anspruch. Die Untersuchung erfolgt bei einem Gynäkologen. Dabei wird ein Abstrich vom Gebärmutterhals genommen sowie die inneren und äußeren Geschlechtsorgane untersucht, erklärt Ann Marini vom GKV Spitzenverband in Berlin.

Krebsfrüherkennung von Brustkrebs

Das ist eine GKV-Leistung für Frauen ab 30 Jahren. Im Fokus stehen Fragen nach der Veränderung von Haut oder Brust. Hinzu kommt laut Marini ein Abtasten des Arztes von Brust und Achselhöhlen auf Auffälligkeiten. Außerdem wird Frauen erklärt, wie sie ihre Brüste selbst abtasten können.

Chlamydien-Screening

Chlamydien sind Bakterien, die Entzündungen der Harnröhre, der Genitalien und des Enddarms verursachen können. Viele Chlamydien-Infektionen werden nicht entdeckt, weil sie kaum Beschwerden verursachen. Chlamydien können zu Unfruchtbarkeit führen – oder bei einer Schwangeren zu einer Frühgeburt. Anspruch auf ein jährliches Chlamydien-Screening haben gesetzlich Krankenversicherte bis zum Alter von 25 Jahren, so Marini.

Mammografie-Screening (Brustkrebs) für Frauen

Frauen ab 50 erhalten bis zu ihrem 69. Lebensjahr alle zwei Jahre eine Einladung zum Screening in einer zertifizierten medizinischen Einrichtung. Dabei werden ihre Brüste durch Mammografie geröntgt.


Für Männer

Früherkennung von Krebs im Genitalbereich, Prostatakrebs

Ab ihrem 45. Lebensjahr können Männer diese Untersuchung jährlich in Anspruch nehmen. Dabei werden die Prostata und die äußeren Genitale abgetastet.

Ultraschall-Screening (Bauchaortenaneurysma)

Seit Januar 2018 können Männer ab 65 einmalig eine Ultraschalluntersuchung in Anspruch nehmen, bei der per Ultraschall geschaut wird, ob sich die Bauchschlagader erweitert hat – also ein sogenanntes Bauchaortenaneurysma vorliegt. Die Untersuchung werde nur Männern angeboten, weil diese wesentlich häufiger betroffen seien als Frauen, heißt es beim Bundesgesundheitsministerium.

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