Mehr Geschlechtskrankheiten trotz Corona-Pandemie

Neue Forschungsergebnisse zeigen ein riskantes Sexualverhalten und steigende Fälle sexuell übertragbarer Erkrankungen trotz der aktuellen Covid-19-Pandemie. Diese Entwicklung wurde auf dem 29. Kongress der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) präsentiert.

Die Diagnosen von sexuell übertragbaren Infektionen (sexually transmitted infections, STI) wie Tripper und Syphilis haben zugenommen – trotz Lockdown und Appellen zu Distanz und anderen Hygienemaßnahmen wegen der Corona-Pandemie.

In zwei spezialisierten STI-Zentren in Mailand wurden im Zeitraum vom 15. März bis zum 14. April 2020 mehr Infektionen mit Erregern der Syphilis und Gonorrhoe beobachtet als in dem gleichen Zeitraum im Jahr 2019 – und das, obwohl die Gesamtzahl der Besucher um mehr als ein Drittel geringer war als im Vorjahr. Weniger akute Erkrankungen wie Genital- und Dellwarzen wurden dagegen seltener beobachtet.

Riskantes Verhalten trotz Lockdown

Die Mediziner schließen aus den Ergebnissen, dass die Covid-19-Pandemie trotz Lockdown und sozialer Distanzierung riskante Verhaltensweisen nicht hemmte. Dr. Marco Cusini vom Klinikum in Mailand erklärte: "Man hatte angenommen, dass der Lockdown Möglichkeiten für sexuelle Begegnungen und damit sexuell übertragbare Krankheiten verringern würde. Ich war überrascht von der großen Anzahl neuer Akutfälle in diesem kurzen Zeitraum."

Tripper, auch bekannt als Gonorrhoe, ist eine durch Bakterien hervorgerufene Geschlechtskrankheit, die bei Frauen oft symptomlos verläuft, bei Männern vor allem zu Harnröhrenausfluss und Schmerzen beim Wasserlassen führt. Die Krankheit nimmt europaweit zu, allein im Jahr 2017 gab es mehr als 89.000 bestätigte Fälle. Auch Syphilis wird durch Bakterien verursacht und führt zu kleinen, schmerzlosen Wunden oder Geschwüren an Penis, Vagina oder Anus, manchmal auch im Mund oder auf Lippen, Fingern oder Gesäß. Im Jahr 2018 gab es in Europa 33.927 bestätigte Fälle.

ZOU

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