Fluorid in Zahnpasta: Schädlich oder nicht?

Was ist Fluorid und wo kommt es vor?

Fluorid ist ein nicht-essenzielles (d.h. nicht lebensnotwendiges) Spurenelement, das überall in der Natur vorkommt – zum Beispiel in Mineralwasser, schwarzem Tee und Fisch. Auch der menschliche Körper enthält Fluorid, vor allem in Knochen und Zähnen.

Wie gelangt Fluorid in den Körper?

Fluorid wird nur über den Mund durch Herunterschlucken vom Körper aufgenommen, also zum Beispiel mit der Nahrung. Sich völlig fluoridfrei zu ernähren ist praktisch unmöglich.

Was macht Fluorid im Zahn?

Fluorid trägt als Baustein zur Zahnsubstanz bei. Beim Putzen nehmen die Zähne das Fluorid aus der Zahnpasta auf und werden dadurch widerstandsfähiger.

Ist wirklich bewiesen, dass Fluorid gut für die Zahngesundheit ist?

Ja, Fluoride sind weltweit sehr gründlich untersucht. Viele Studien belegen, dass fluoridhaltige Zahnpasta sicher ist und einen hervorragenden Schutz vor Karies bietet. So ist sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene hinreichend nachgewiesen, dass

  • Zähneputzen zweimal täglich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta das Kariesvorkommen verringert und
  • mehrfach tägliches Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta besser vor Karies schützt als einmal tägliches Putzen.

Wie viel Fluorid gilt als empfehlenswert?

Um eine ausreichende Härte des Zahnschmelzes sicherzustellen, wird eine tägliche Zufuhr von etwa 1 Milligramm Fluorid empfohlen.

Die aktuelle Leitlinie zur Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen empfiehlt als Basismaßnahme, mindestens zweimal täglich eine fluoridhaltige Zahnpasta beim Zähneputzen anzuwenden.

Wie kann man seine Zähne noch stärken?

Neben Fluorid in Zahnpasta schützen auch folgende Zahnpflegeprodukte nachweislich vor Karies:

  • fluoridhaltige Mundspüllösung
  • Fluoridlack (in der Zahnarztpraxis)
  • Fluoridgel (auch zur Eigenanwendung)

Allerdings sind fluoridhaltige Spüllösungen, Fluoridlacke und -gele kein Ersatz für das Zähneputzen, sondern werden nur zusätzlich empfohlen. Wer seine Zähne ohnehin gut putzt, dem bringen diese Maßnahmen wahrscheinlich nur einen geringen zusätzlichen Nutzen. Empfehlenswert sind sie bei schlechter Mundhygiene oder schon beginnender Karies.

Eine weitere Möglichkeit, die Zähne zu stärken, ist die Aufnahme von Fluorid über die Ernährung. In Deutschland ist zum Beispiel fluoridiertes Speisesalz im Verkehr. Auch manchen Lebensmitteln ist Fluorid zugesetzt. Zudem liefern viele Mineralwässer Fluorid. Hingegen enthält Leitungswasser in Deutschland verhältnismäßig wenig Fluorid.

Zudem stehen Fluoridtabletten zur Verfügung, die eine feste Dosis Fluorid (0,25 mg) enthalten. Sie sind vor allem für kleine Kinder gedacht, die noch nicht gelernt haben, die Zahnpasta wieder auszuspucken: Dann ist es sinnvoll, fluoridfreie Zahnpasta zum Zähneputzen zu verwenden und zum verbesserten Kariesschutz Fluoridtabletten zu geben.

Sind fluoridhaltige Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Nein. Der Körper nimmt schon allein durch fluoridhaltiges Wasser sowie die Fluoridierung von Zahnpflegemitteln und Speisesalz genug Fluorid auf. Darum sollte Fluorid nicht zusätzlich in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden.

Kann Fluorid giftig sein?

Es kommt auf die Dosis an. Fluorid in Zahnpasta und anderen Zahnpflegeprodukten ist gesundheitlich unbedenklich.

Nur in großen Mengen ist Fluorid Gift für den Körper. So verursacht es in höheren Konzentrationen (etwa ab 10 Milligramm Fluorid pro Tag bzw. Trinkwasser mit über 6 bis 10 Milligramm Fluorid pro Liter) eine Skelett- und Dentalfluorose. Das heißt: Zu viel Fluorid kann zu Knochenschwund führen und den Zahnschmelz schädigen.

Übrigens: Fluor ist nicht gleich Fluorid!

Fluor ist ein giftiges Gas. Dagegen sind Fluoride die Salze des Fluors und nur in großen Mengen giftig. Fälschlicherweise werden die beiden Begriffe jedoch oft gleichbedeutend verwendet.

Wie hoch ist das Risiko einer Fluorid-Überdosierung?

Das Risiko einer Überdosierung ist extrem gering: In Deutschland nimmt ein Erwachsener täglich schätzungsweise zwischen 0,4 und 1,5 Milligramm Fluorid auf. Das ist deutlich weniger als der Richtwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der bei 3,5 Milligramm liegt.

Dürfen Schwangere fluoridhaltige Zahnpasta verwenden?

Ja. Eine Untersuchung an Schwangeren in Mexiko hat zwar gezeigt, dass eine deutlich erhöhte Zufuhr von Fluorid in der Schwangerschaft die Intelligenz des Kindes langfristig mindern kann. Doch die mexikanische Bevölkerung nimmt deutlich größere Mengen Fluorid aus verschiedenen Quellen auf als die deutsche. Für Frauen in Deutschland besteht darum kein Grund zur Sorge.

Außerdem spielt fluoridhaltige Zahnpasta für die Gesamtaufnahme von Fluorid so gut wie keine Rolle, weil sie normalerweise wieder ausgespuckt wird. Und selbst wenn jemand versehentlich fluoridhaltige Zahnpasta verschluckt, bleibt die Menge unterhalb des Richtwerts.

Was ist bei Kindern zu beachten?

Besonders bei kleinen Kindern ist es wichtig, Fluorid richtig zu dosieren. Denn Kleinkinder verschlucken Zahnpasta häufig. Wenn sie auch noch zusätzlich Fluoridtabletten und fluoridhaltiges Speisesalz bekommen, kann es leicht zu unerwünschten Wirkungen kommen.

Die erhöhte Fluoridaufnahme kann dazu führen, dass sich weißliche Verfärbungen auf den Zähnen bilden. Diese haben jedoch meist keine weiteren Folgen.

Solche Nebenwirkungen lassen sich bei Kindern, die Fluoridtabletten nehmen, durch fluoridfreie Zahnpasta vermeiden. Sobald das Zähneputzen problemlos klappt und die Kinder die Zahnpasta wieder ausspucken (meist ist es im Alter zwischen zwei und vier Jahren so weit), kann fluoridhaltige Zahnpasta zum Einsatz kommen.

Dabei sind für Kinder je nach Alter Zahnpasten mit unterschiedlichem Fluorid-Gehalt ratsam:

  • für Kleinkinder besonders niedrig dosierte Zahnpasta mit 0,05 Prozent Fluorid bzw. 500 ppm (parts per million)
  • für Kinder ab etwa sechs Jahren (wenn die bleibenden Zähne durchbrechen) Zahnpasta mit über 0,1 Prozent Fluorid bzw. mehr als 1000 ppm

Was hat es mit fluoridfreier Zahnpasta auf sich?

Fluoridfreie Zahnpasta kann als Wirkstoff den natürlich vorkommenden Mineralstoff Hydroxylapatit enthalten. Dieser bildet den Hauptbestandteil von Knochen und Zähnen.

Dass Hydroxylapatit wirksam vor Karies schützt oder gar eine mit Fluorid vergleichbare Schutzwirkung gegen Karies hat, ist jedoch bislang wissenschaftlich nicht bewiesen.

Fazit: Zahnpasta ohne Fluorid ist nur im Baby- und Kleinkindalter sinnvoll. Wer ansonsten Wert auf gesunde Zähne legt, sollte sich nicht nur regelmäßig die Zähne putzen, sondern dabei eine fluoridhaltige Zahnpasta verwenden. Dies entspricht auch den aktuellen Empfehlungen der zahnärztlichen Fachgesellschaften.

Darüber hinaus empfehlen die zahnärztlichen Fachgesellschaften,

  • grundsätzlich fluoridhaltiges Speisesalz im Haushalt zu verwenden und
  • bei Bedarf (v.a. bei aktiver Karies) zusätzlich Zahnpasten mit erhöhter Fluoridkonzentration bzw. fluoridhaltige Lacke, Gele oder Spüllösungen einzusetzen.

Quellen

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 4.12.2019)

Fluorid. Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): www.dge.de (Abrufdatum: 4.12.2019)

Zahnpasta: Die beste Zahn­creme im Test. Online-Informationen der Stiftung Warentest: www.test.de (Stand: 17.10.2019)

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM) und der Bundeszahnärztekammer (BZÄK): Kariesprophylaxe mit Zahnpasten (Januar 2018)

Weißenborn, A., et al.: Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Online-Publikation, 4.1.2018)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 083/021 (Stand: 1.6.2016)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 083/001 (Stand: 23.1.2013)

Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V.: Bunte Pillen für‘s gute Gewissen – was bringen Nahrungsergänzungsmittel? (4.12.2012)

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

  • Fluorid: Wichtiger Baustein des menschlichen Körpers
  • Fluoridierung: Von der richtigen Fluoridzufuhr bis zur Fluoridvergiftung und ihren Folgen

Letzte inhaltliche Prüfung: 04.12.2019Letzte Änderung: 28.01.2019

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