Offen bleibt, ob Wirkstoff Corona-Verbreitung stoppt: Top-Mediziner über Moderna-Daten

Es ist erneut eine sehr gute Nachricht: Auch die US-amerikanische Firma Moderna erklärt in einem Zwischenbericht, ihr RNA-Impfostoff sei zu knapp 95 Prozent wirksam. Experten sagen, warum das das Ergebnis von Biontech noch unterstreicht – und was jetzt noch abzuwarten bleibt.

Eine Impf-Effektivität von 94,5 Prozent soll der RNA-Impfstoff mRNA-1273 erreicht haben. Dieses Ergebnis einer Zwischenanalyse teilte die US-amerikanische Firma Moderna gestern mit. Wie zuvor bei der Firma Biontech liegen somit lediglich Ergebnisse einer vorläufigen Analyse vor – eine wissenschaftliche Publikation zum Thema gibt es noch nicht.

Jetzt Artikel für später in „Pocket“ speichern

Trotzdem: Die Nachrichten sind extrem positiv – da sind sich auch Wissenschaftler einig. „Heureka – ein guter Tag für die Wissenschaft und für den klinischen Kampf gegen Covid-19! Auch wenn es sich noch um Zwischenergebnisse handelt, ist bereits jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit klar, dass auch der zweite mRNA-Impfstoff-Kandidat mRNA-1273 der Firma Moderna gegen eine symptomatische Covid-19-Infektion schützt“, erklärt Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing und behandelnder Arzt der ersten Covid-19-Patienten in Deutschland. „Es scheint sich jetzt zu verdichten: mRNA-Impfstoffe wirken als Substanzklasse und könnten die Trendwende in der Pandemie bringen.“

Kann man trotz Impfung erkranken? Generell kann keine Impfung zu 100 Prozent schützen, wie das RKI schreibt. Aber Impfungen können „die Erkrankungswahrscheinlichkeit deutlich senken“. So schütze etwa eine Maserninfektion 97 bis 98 Prozent der Geimpften, die Grippeimpfung je nach Alter und  Gesundheitszustand 40 bis 75 Prozent der Geimpften.

Hoffnung, Pandemie im nächsten Jahr in den Griff zu bekommen

„Dies ist erneut eine sehr ermutigende Nachricht“, bestätigt auch Leif-Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité. Und Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie am Uniklinikum Köln, sagt: „Wenn man nach den Ergebnissen von Biontech große Hoffnung in die Wirksamkeit der Impfstoffe setzen konnte, so ist diese Hoffnung jetzt noch ein deutliches Stück größer geworden.“ Alles in allem sei das erneut eine höchst positive Nachricht in kurzer Zeit, die Hoffnung mache, die Pandemie im kommenden Jahr in den Griff zu bekommen.

Surftipp: Alle Neuigkeiten zum Coronavirus finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online 

In die sogenannte Cove-Study, die klinische Phase-3-Studie von Moderna, sollen die Daten von 30.000 Probanden aus den USA einfließen. Besonders an der Moderna-Studie ist, dass auch viele ältere Probanden und andere Teilnehmer aus Risikogruppen inbegriffen sein sollen. Zum Zeitpunkt der Zwischenanalyse hatten sich 95 Probanden symptomatisch mit Covid-19 infiziert; 90 davon stammten aus der Placebo-Gruppe. Elf Studienteilnehmer mit einer Covid-19-Erkrankung zeigten laut Hersteller einen schweren Verlauf.

„Sehr erfreulich ist die Beobachtung, dass alle der insgesamt elf schweren Covid-19-Fälle in der Placebo-Gruppe auftraten. Dies ist – bei aller Vorsicht angesichts der kleinen Zahl – ein erster möglicher Hinweis darauf, dass der Impfstoff zum einen vor der Infektion selbst, zum anderen aber auch vor schweren Verläufen schützen könnte“, erklärt Gerd Fätkenheuer. Hier müssten aber  weitere Ergebnisse abgewartet werden, bevor genauere Beurteilung getroffen werden könnten.

Ernstzunehmende Nebenwirkungen traten bisher nicht auf

Generell soll die Impfung nach Angaben des Unternehmens nur leichte bis moderate Nebenwirkungen auslösen, beispielsweise Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle.

„Ich schätze das Risikoprofil als gut ein. Es gibt transiente, also vorübergehende Nebenwirkungen wie erhöhte Temperatur, Müdigkeit, Kopfweh und Schmerzen an der Einstichstelle, die unangenehm, aber transient und ungefährlich sind. Ernstzunehmende Nebenwirkungen traten bisher weder in der Pfizer- noch in der Moderna-Studie auf“, erklärt Florian Krammer, Professor und Impfstoffexperte am New Yorker Mount Sinai Hospital. 

„Experiment wurde wiederholt und hat das gleiche Ergebnis erzielt“

Generell seien die Ergebnisse von Moderna und dem Duo Biontech/Pfizer sehr ähnlich und daher vergleichbar. „Ich habe erwartet, dass Moderna eine ähnliche Effizienz wie Pfizer erreicht und das ist eingetroffen. Man könnte sagen: Das Experiment wurde wiederholt und hat das gleiche Ergebnis erzielt“, ergänzt Krammer.

 „Diese beinahe gleichlautenden Zahlen sind ein sehr starkes Indiz dafür, dass das Prinzip der RNA-Impfstoffe zur Verhinderung der Sars-CoV-2-Infektion tatsächlich funktioniert, erklärt auch Infektiologe der Uniklinik Köln Gerd Fätkenheuer.

Einen Vorteil gegenüber dem Produkt von Biontech und Pfizer stellt der Münchner Chefarzt Clemens Wendtner heraus: „mRNA-1273 ist bei zwei bis acht Grad Celsius, also in einem handelsüblichen Kühlschrank, für circa 30 Tage stabil, auch ist der Transport zum Impfzentrum und eine langfristige Lagerung über sechs Monate bei einer Temperatur von minus 20 Grad Celsius möglich.“ Das sei einer „besonderen Verpackung" des Impfstoffs in Lipid-Nanopartikeln zu verdanken.

Mehr Videos mit Infektiologe Christoph Spinner


  • Infektiologe Spinner erklärt, was die neuen Corona-Zahlen bedeuten


  • Kontakt mit Corona-Infizierten: Wer in Quarantäne muss und wer nicht


  • Fußball-Fans im Stadion: Infektiologe erklärt, worin die größte Gefahr liegt


  • Diabetes nach asymptomatischer Corona-Erkrankung: Infektiologe erklärt, was dahintersteckt


  • Lockdown bei 2. Corona-Welle: Infektiologe erklärt, warum er davon dringend abrät


  • So wurde Dr. Christoph Spinner zum Corona-Experten


  • Corona trifft Grippe: Droht jetzt die Doppel-Infektion? Infektiologe antwortet


  • Corona-Spätfolge auch nach leichtem Verlauf: Milchglasmuster alarmiert Ärzte besonders


  • Impfstoff bis Ende des Jahres? So sicher wäre Impfung, die frühzeitig verfügbar ist


  • Infektiologe erklärt, wie hoch Ansteckungsgefahr durch unverpackte Lebensmittel ist


  • Café, Flugzeug, Büro: Infektiologe erklärt, wo Corona-Gefahr am größten ist


  • Infektiologe erklärt, wie Sie Coronavirus erkennen und nicht mit Grippe verwechseln


  • Risiko-Faktor Restaurants: Kann das Virus durch Klimaanlagen verbreitet werden?


  • Infektiologe über „Corona-Tote“: Wie Mediziner den Begriff definieren


  • R-Faktor verliert scheinbar an Bedeutung – Infektiologe erklärt, warum

  •  

    „Auch wenn der Impfstoff BNT162b2 eine ähnlich hohe Effizienz und Verträglichkeit aufweist, macht eine Lagerung bei minus 70 Grad Celsius eine flächendeckende Impfung der Bevölkerung zwar logistisch betrachtet nicht unmöglich, aber stellt ohne Zweifel eine zusätzliche Herausforderung dar, die eine Impfung in spezialisierten Impfzentren mit entsprechenden Kühlketten erforderlich macht. Auch ist mRNA-1273 nach Auftauen ready-to-use, und somit ist eine zusätzliche Verdünnung des Impfstoffs vor Ort beim Anwender nicht erforderlich“, führt Wendtner weiter aus.

    Impfstoffexperte hält Datenlage zu Risikogruppen noch nicht für ausreichend

    Risikogruppen waren in der Untersuchung von Moderna bereits vertreten. „Die aktuelle Studie hat Proband*innen mit unterschiedlichem Hintergrund und Altersprofil eingeschlossen. So waren unter den circa 30.000 Studienteilnehmer*innen auch 7.000 Personen über 65 Jahre alt“, sagt Charité-Infektionsimmunologe Sander. Daher ließen die Ergebnisse gewissen Rückschlüsse auf die Wirksamkeit in Risikogruppen zu. Trotzdem hält der New Yorker Impfstoffexperte Krammer die Datenlage bezüglich dieser speziellen Gruppen noch nicht für ausreichend.

    Auch Bernd Salzberger, Bereichsleiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg weist darauf hin, dass die vollständige Auswertung noch abzuwarten ist „– sowohl für die endgültige Bewertung der Wirksamkeit wie auch für besondere Patientengruppen, also ältere und Personen mit chronischen Erkrankungen, und selbstverständlich die Sicherheitsdaten.“

    Impfstoffexperte hält Datenlage zu Risikogruppen noch nicht für ausreichend

    Offen bleibe auch die Frage, inwieweit eine Impfung mit mRNA-1273 auch eine Verbreitung von Sars-CoV-2 insgesamt unterbinden könne, erklärt der Münchner Mediziner Clemens Wendtner. „Wie auch bis dato durch andere Vakzine-Studien gezeigt, kann dieser Impfstoff hocheffizient das Individuum vor einer symptomatischen Covid-19-Infektion schützen, aber es bleibt zu klären, inwieweit damit auch ein ‚spreading‘ des Virus, also eine Verbreitung in der Population, wirksam bekämpft werden kann. Dies ist neben dem Individualschutz ein weiterer Lackmustest für eine erfolgreiche Vakzine aus infektionsepidemiologischer Sicht“, sagt Wendtner. Denn nur wenn die Ausbreitung des Virus durch geimpfte Personen unterbunden werden könne, könne die Herdenimmunität in der Bevölkerung schrittweise aufgebaut werden.

    FOCUS Online/Wochit Einnahmen brechen weg: Bundesländer türmen in der Corona-Krise Schuldenberg auf  

    Hackbällchen in Sahne-Senf-Sauce sind nicht nur lecker – sondern auch kalorienarm

    Esslust Hackbällchen in Sahne-Senf-Sauce sind nicht nur lecker – sondern auch kalorienarm

    Quelle: Den ganzen Artikel lesen