Die Corona-News des Tages
Müller zu Corona-Lage: Gute Chancen für Herbst – aber Regeln wichtig / Wie Infektionsschutz in Schulen funktionieren kann / Erstmals ausreichend Corona-Impfstoff für Arztpraxen
Seit dem Beginn der Corona-Pandemie überschlagen sich an manchen Tagen die Nachrichten zu COVID-19.
Um Ihnen den Überblick zu erleichtern, bietet DAZ.online Ihnen hier einen Überblick über die wichtigsten Corona-News des Tages – direkt aus dem News-Kanal der Deutschen Presse-Agentur.
8:50 Uhr
Müller zu Corona-Lage: Gute Chancen für Herbst – aber Regeln wichtig
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller blickt nach eigener Aussage optimistisch auf die Corona-Lage im Herbst, mahnt aber auch zur Einhaltung der Regeln. «Ich glaube, wir haben große Chancen, im Herbst gut durch diese schwierige Situation zu kommen, auch mit steigendem Delta-Virus, weil wir eben einen erheblichen Impffortschritt haben», sagte der SPD-Politiker am Freitag im ZDF-«Morgenmagazin». «Aber wir können uns nicht in Sicherheit wiegen.» Sicherungen seien nötig – auch im Reiseverkehr. Man könne wieder viel ermöglichen, aber müsse weiter Regeln beachten.
«Die Normalität, die wir jetzt haben, ist doch so ein hohes Gut, dass doch auch jeder verstehen muss, dass mit viel Eigenverantwortung wir uns genau das erhalten müssen, oder noch sicherer werden müssen, um dann im Herbst uns noch mehr auch ermöglichen zu können», so Müller. Er spüre viel Akzeptanz für die Dinge, die jetzt noch nötig sind.
7:00 Uhr
Wie Infektionsschutz in Schulen funktionieren kann
Im neuen Schuljahr endlich wieder Unterricht ohne Masken, so der Wunsch vieler Kinder. Doch kann das klappen, gerade mit Blick auf den Herbst und Winter? Die Wissenschaft mahnt zur Vorsicht.
Die Sommerferien haben noch längst nicht in allen Bundesländern begonnen. Doch die Debatte darüber, welche Maßnahmen es danach an den Schulen geben soll und muss – sie ist in vollem Gange. Was nachvollziehbar ist. Denn die meisten Kinder und Jugendlichen sind nicht vor einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 geschützt, da weder geimpft noch genesen. Und Delta, die offenbar äußerst ansteckende Variante, breitet sich auch in Deutschland aus.
Genau deshalb müsste man «eigentlich sogar noch viel vorsichtiger sein», sagt Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – selbst bei niedrigen Infektionszahlen wie derzeit. Doch die Pläne der Politik klingen anders, etwa beim Thema Masken. Wenn die Inzidenzen nicht besonders hoch seien, «dann kann man auch die Masken im Unterricht wieder ablegen», sagte etwa NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch im WDR.
Epidemiologe Zeeb hält das Tragen von Masken mindestens in weiterführenden Schulen für geboten. Er betont dabei auch deren psychologische Wirkung: «Sie sind ein Signal dafür, dass die Pandemie nicht vorbei ist und die Maßnahmen weiter wichtig sind.» Auch Aerosolforscherin Birgit Wehner vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung sieht Masken als wichtigen Baustein beim Infektionsschutz in Schulen – besonders mit Blick auf den Herbst. Von einem infizierten Kind ohne Maske könne sich bei geschlossenem Fenster langsam eine Aerosol-Wolke ausbreiten, die die Viren transportiere, erklärt Wehner.
Die Wissenschaftlerin schätzt die Infektionsgefahr in bestimmten Räumen besonders hoch ein: «Wenn die Kinder etwa im Flur ohne Masken herumlaufen. Da ist oft Gedränge, da sind viele Kinder, alle Klassen durcheinander.» Gebe es dann Infektionen, habe man keine Möglichkeit, etwas nachzuvollziehen. Ähnliches gelte für die Toiletten. Dort werde oft nicht ausreichend gelüftet.
Um Infektionen zu verhindern, ist ein angemessener Luftaustausch in allen Räumen nötig. Das funktioniert durch regelmäßiges Lüften ganz gut, am besten mit offener Tür und Durchzug. Deutlich zuverlässiger sind allerdings fest installierte Lüftungsanlagen. «Die Luft wird automatisch abgesaugt und ausgetauscht», erklärt Stephan Schönfelder von der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur. Der Professor für energetische und technische Systeme plädiert dafür, Infektionsschutz und das Verbessern der Luftqualität in Klassenräumen zusammenzudenken. Von mobilen Luftreinigern als einzige Lösungsstrategie ist er nicht allzu überzeugt. Diese filtern die Luft, ohne sie zu erneuern.
«Die Qualität der Raumluft ist ein generelles Thema in Schulen», sagt Schönfelder. Realistisch gesehen, könnten aber nicht mehr flächendeckend bis zum Start des neuen Schuljahrs Lüftungsanlagen eingebaut werden. Dafür sei man zu spät dran. Also ist in den meisten Schulen weiterhin regelmäßiges Lüften angezeigt. Schönfelder empfiehlt CO2-Messgeräte für die Klassen – um zuverlässig daran erinnert zu werden, regelmäßig die Fenster zu öffnen. Man könne dann jeden Tag eine Schülerin oder einen Schüler damit beauftragen, die CO2-Ampel im Blick zu haben und Bescheid zu sagen, wenn sie auf Orange springt.
Dass Lüftungsanlagen in Schulen langfristig der Standard sein müssten, findet auch Epidemiologe Zeeb. Als Baustein für den Infektionsschutz dort sieht er weiterhin Tests. Aber reichen Antigen-Schnelltests, die eine Infektion nicht so früh und zuverlässig nachweisen wie PCR-Tests, um die mögliche Verbreitung von Delta in Schulen zu unterbinden? Der Epidemiologe hält PCR-Tests für angemessener – die nach dem sogenannten Pooling-Prinzip ausgewertet werden. Dabei werden die Proben mehrerer Testpersonen zusammen analysiert. Nur wenn dieser Gruppentest positiv ist, untersucht man die zurückbehaltenen einzelnen Proben.
Masken tragen, testen und die Luft in allen Räumen regelmäßig austauschen – dies sollte nach den Sommerferien auch bei niedrigen Infektionszahlen an den Schulen die Maßgabe sein. Das betont auch der Leiter des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler: «Wir empfehlen, dass in Schulen weiter getestet und Mund-Nasen-Schutz getragen wird», sagte er jüngst der «Rheinischen Post». Aus jetziger Sicht soll das «bis zum nächsten Frühjahr so sein». Dafür gebe es zwei zentrale Gründe: Man wolle das Infektionsgeschehen niedrig halten, weil auch Kinder schwer erkranken könnten. «Und zum anderen haben wir natürlich das Ziel, dass die Schulen offen bleiben.»
2:30 Uhr
Erstmals ausreichend Corona-Impfstoff für Arztpraxen
Deutschlands Arztpraxen dürften in der kommender Woche erstmals die Menge Corona-Impfstoff geliefert bekommen, die sie bestellt haben. Das sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Denn die Praxen hätten mit bundesweit rund 2,3 Millionen bestellten Dosen weniger Impfstoff angefordert als bereitstehen. Die Praxen bräuchten aber weiterhin ausreichend Impfstoff.
Für nächste Woche bestellten die Arztpraxen bundesweit rund zwei
Millionen Impfdosen Biontech – obwohl sie 2,2 Millionen hätten bestellen können. Bei Astrazeneca wurden 325 000 Dosen geordert, 1,1 Millionen hätten bereitgestanden. «Business Insider» berichtete zuerst darüber.
Gassen sagte, seit Beginn der Impfkampagne gegen das Coronavirus hätten die Vertragsärztinnen und -ärzte regelmäßig deutlich weniger Impfstoff erhalten als sie benötigt hätten. Nun machten sich die Ferien in immer mehr Bundesländern bemerkbar. Viele Patienten und Ärzte seien im Urlaub. Immer mehr Menschen seien auch geimpft. «Dennoch ist der Andrang in den meisten Arztpraxen ungebrochen groß.» Viele Praxen seien noch dabei, die langen Wartelisten abzuarbeiten.
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