Knöchel-Arm-Index: So berechnen Sie in 5 Minuten Ihr Schlaganfall-Risiko

Arteriosklerose tut nicht weh und wird deshalb oft erst beim ersten Herzinfarkt entdeckt. Eine simple Untersuchung beim Hausarzt gibt frühzeitig eine Prognose über den Zustand der Blutgefäße. Der ABI-Test zeigt mit überraschender Treffsicherheit das individuelle Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko.

Arteriosklerose erhöht massiv das Risiko für Durchblutungsstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Wer rasch und ohne Aufwand überprüfen lassen möchte, ob seine Blutgefäße elastisch und frei von Ablagerungen sind oder bereits versteift und verengt, kann das mit dem sogenannten ABI-Test. Die Abkürzung steht für Ankle Brachial Index, also Knöchel-Arm-Index.

„Der ABI gilt als aussagekräftiger Marker für Arteriosklerose, noch bevor Symptome der risikoreichen Gefäßerkrankung auftreten“, berichtet Hausarzt Robert Rauch, München. In diesem Zusammenhang wird häufig auch die periphere arterielle Verschlusskrankheit (paVK) genannt. Die krankhafte Verengung betrifft meist Arterien in den Beinen oder dem Becken. Das bedeutet aber auch in den allermeisten Fällen, dass der übrige Körper bereits von Arteriosklerose betroffen ist (generalisierte Arteriosklerose).

Wie der ABI-Test funktioniert

Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Der Patient liegt auf dem Untersuchungsbett. Nun misst der Arzt mit der Blutdruckmanschette und Dopplersonde einmal den Blutdruck am Knöchel, danach am Oberarm, beide Messungen werden rechts und links durchgeführt. Ausschlaggebend ist der systolische, also der erste (höhere) Blutdruckwert.

Mit diesen beiden Werten lässt sich der ABI nach folgender Formel bestimmen:

systolischer Blutdruck Knöchel : systolischer Blutdruck Arm = ABI

Bei einem Menschen mit gesunden Blutgefäßen sind beide Werte etwa gleich, also beispielsweise 130. Gerechnet wird dann 130 : 130 = 1

Die physikalische Erklärung für den ABI und seine Aussagekraft: Die Blutgefäße des Körpers lassen sich mit einem Röhrensystem vergleichen. Befinden sie sich alle auf der gleichen Höhe – ganz ähnlich wie beim Patienten im Liegen – strömt Flüssigkeit (Blut) mit gleichem Druck durch das System, wenn es keine Engstellen gibt. „Wenn dazwischen jedoch eine Verengung vorliegt, das ist so, als wenn ich mit dem Fuß auf den Gartenschlauch steige, fließt die Flüssigkeit nach dieser Engstelle mit einem geringeren Druck“, erklärt der Arzt mit einfachen Worten.

Knöchel-Arm-Index hat höchste Treffsicherheit bei der Risikoeinschätzung für Herzinfarkt und Schlaganfall

In den meisten Fällen wird das Ergebnis bei etwa 1 liegen oder etwas darüber. Das bedeutet, die Arterien sind frei von Arteriosklerose, kein Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt besteht. „Wenn die Blutdrücke am Knöchel jedoch deutlich niedriger sind als am Arm, lässt sich je nach Ausprägung mit großer Sicherheit vorhersagen, dass innerhalb der nächsten beiden Jahre etwa ein Herzinfarkt eintritt – falls keine Behandlung erfolgt“, warnt Robert Rauch. Die Treffsicherheit beträgt bis zu 100 Prozent! Diesen Zusammenhang beweist die getABI-Studie eindeutig. GetAbi steht für German Epidemiological Trial on Ankle Brachial Index.

Auch andere Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen, etwa, dass ein niedriger Knöchel-Arm-Index mit einem verdoppelten Sterberisiko verbunden ist.

Die ABI-Werte und was sie aussagen:

  • 0,9 bis 1,2 ist normal, die Gefäße sind frei
  • 0,9 bis 0,75: leichte PAVK und leichte arteriosklerotische Veränderungen
  • 0,75 bis 0,5: mittelschwere PAVK und Arteriosklerose
  • unter 0,5: schwere Ausprägung von PAVK und Arteriosklerose
  • über 1,3: das bedeutet, der Druck am Knöchel ist wesentlich höher als am Arm, es liegt vermutlich Mediasklerose vor. „Das bedeutet, die Gefäßwände (Media) sind sklerosiert, also stark verkalkt, das kann etwa bei Diabetikern auftreten“, erklärt Robert Rauch.

Wie es nach abweichendem Knöchel-Arm-Index weitergeht

Ist der ABI zu niedrig oder (selten) zu hoch, folgen weitere Untersuchungen, etwa durch Ultraschall mit Doppler/Duplex, danach falls nötig die Angiografie. Dieses Diagnosemittel kann gleichzeitig zur Therapie genutzt werden, etwa, indem im Rahmen der Gefäßkontrolle ein verengtes Gefäß aufgedehnt wird.

Für wen der ABI-Test (lebens)wichtig ist

Viele Ärzte legen jedem Patienten, der über 50 Jahre alt ist, diese Untersuchung ans Herz, um ein Arteriosklerose-Risiko möglichst frühzeitig zu entdecken. Auf jeden Fall wird jedoch folgenden Gruppen zur ABI-Messung geraten:

  • Rauchern
  • Diabetikern
  • Patienten mit Bluthochdruck
  • Patienten mit erhöhten Blutfettwerten
  • stark Übergewichtigen

Sie haben bekanntlich ein besonders hohes Risiko für Arteriosklerose mit ihren dramatischen Folgekrankheiten. Die Nachfrage nach der Untersuchung sei in seiner Praxis übrigens groß, sagt der Arzt. Und nicht selten konnte er bei vermeintlichen Hüftpatienten, mit dem ABI-Test eine paVK nachweisen. Die Betroffenen wurden zum Gefäßspezialisten überwiesen für Therapien wie Aufdehnen und STENT.

Allerdings – so sinnvoll diese Untersuchung auch ist – die Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür meist nicht. Der Patient muss also mit etwa 30 Euro Selbstkosten rechnen.

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